FHW: Das Beispiel Dänemark

Orientiert sich die deutsche „Wärmewende„ an Dänemark? Der deutsche Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz und Kanzlerkandidat der Partei „Die Grünen” Robert Habeck studierte im dänischen Roskilde Humanwissenschaften und spricht daher fließend dänisch. Er wohnt seit vielen Jahren im deutsch-dänischen Grenzland und unterhält dort enge Beziehungen zur dänischen Minderheit in Schleswig-Holstein. Seine vier Söhne besuchten den dänischen Kindergarten und die dänische Schule und studierten im Nachbarland. „Wir haben die dänische Kultur aufgesogen und viele Traditionen angenommen”, sagt Habeck in einem Interview. Das trifft offenbar auch auf die Abkehr von fossilen Brennstoffen bei der Gebäudeheizung zu, die in Dänemark bereits in den frühen 1970er Jahren begann. Damals gehörte das kleine Land zwischen Nord- und Ostsee zu jenen Staaten, die weltweit am stärksten auf den importierten Energierohstoff Öl angewiesen waren.

Nachdem die „Ölkrise” 1973 die dänische Wirtschaft besonders hart getroffen hatte, löste sich Dänemark schrittweise aus dieser Abhängigkeit: Die Dänen verzichteten weitgehend auf private Ölheizungen und setzten auf Fernwärmenetze, die zunächst Abwärme aus Kohle- oder Gaskraftwerken nutzen. 1979 verpflichtete ein in den Jahren 1990, 2000 und 2005 umfassend überarbeitetes Wärmeversorgungsgesetz alle Gemeinden, Wärmepläne zu entwickeln und diese unter Berücksichtigung gesamtstaatlich vorgegebener technischer Rahmenbedingungen eigenständig zu gestalten. Das Gesetz sah auch eine Preisregulierung vor: Der Preis, den Haushalte für die Wärmeversorgung zahlen, musste – auf gemeinnütziger Basis – den tatsächlichen Gestehungskosten der Wäremlieferanten entsprechen. Bis 2019 galt in ausgewiesenen Fernwärmezonen sogar eine Anschlusspflicht. Schon 2013 wurden in Dänemark Öl- und Gasheizungen in Neubauten verboten und seit 2016 dürfen mit fossilen Brennstoffen befeuerte Heizkessel nicht durch alternative „fossile“ Heizungssysteme ausgetauscht werden.

Heute werden zirka zwei Drittel aller dänischen Haushalte mit Fernwärme versorgt: 1,8 Millionen Anschlusspunkte, in 400 Netzwerken in 98 Kommunen. In der Hauptstadt Kopenhagen sind zirka 98 Prozent aller Haushalte an das kommunale Wärmenetz angeschlossen. Bei der Wärmeerzeugung sind die Dänen erfinderisch: Heute sind Müllverbrennungsöfen ebenso Wärmeproduzenten wie Meerwasser-Wärmepumpen, Datenzentren oder Biomassefernheizwerke. Ein Beispiel: Die Müllverbrennungsanlage „Amager Bakke“ in Kopenhagen verfügt auf ihrem Dach über eine künstliche Skipiste und an der Außenwand über eine künstliche Kletterwand. Das Heizkraftwerk verbrennt 560.000 Tonnen Müll pro Jahr – und liefert über ein 160 Kilometer langes Leitungsnetz im Winter 25 Prozent und in Sommer 100 Prozent der Haushaltswärme für die 654.000 Einwohnern der Stadt. In Deutschland sind nur 15 Prozent der Haushalte und sechs Prozent der Gebäude an ein Wärmenetz angeschlossen. Kein Wunder, dass der Energiepolitiker Robert Habeck gerne – und wohl etwas wehmütig – nach Norden blickt.

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